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Wie lange ist bald? - Gedanken von Schulhund Murphy der AKS

Wie lange ist bald? - Gedanken von Schulhund Murphy der AKS

Also das ist schon eine komische Sache im Moment. Alles ist irgendwie anders. Wenn ich spazieren gehe und an Spielplätzen vorbeikomme, dann ist da jetzt niemand mehr - nur noch rot-weißes Flatterband. Man sagt mir, das müsse jetzt so sein, wegen Corona und der Ansteckung und bald wäre es hoffentlich wieder anders.
Dann laufe ich weiter und treffe ganz wenig Menschen. Wenn da welche sind, sitzen sie nur in Zweiergruppen da. Ein bisschen so wie bei der Sportaufstellung in der Schule: Immer zu zweit, mit ganz viel Platz dazwischen. Die Eisdiele ist auch geschlossen und alle Gaststätten und Biergärten. Da liegt jetzt natürlich auch nichts mehr auf dem Weg, was ich schnappen könnte. Sonst waren da Brezelreste, Waffeltüten und Dönerfleisch. Wie soll ich da eine ausgewogene Zusatzernährung hinbekommen?
Auch das mit der Frau mit dem kleinen Hund ist anders. Die hat nämlich immer Wurst in der Jackentasche. Ich weiß auch genau in welcher. Der begegnen wir ab und zu noch, aber ich darf jetzt gar nicht mehr hin, um an der Jacke zu schnuppern. Wegen des Abstands und der Ansteckung heißt es und bald wäre es hoffentlich wieder anders.
In der Hundegruppe am Freitag waren wir auch schon lange nicht mehr. Die ist immer um drei Uhr. Da bin ich mir ganz sicher. Ein paar Mal war ich startbereit an der Tür gestanden. Aber da hieß es wieder, die findet im Moment nicht statt, das ist nicht erlaubt, wegen der Ansteckung und bald wäre es hoffentlich wieder anders.
Genauso in der Schule. Da sind jetzt keine Kinder und Lehrer mehr und natürlich auch kein Schulhund. Ihr wisst schon, wegen der Ansteckung und dem Abstand und bald wäre es hoffentlich wieder anders. Die Schultasche liegt jetzt daheim in der Ecke und verliert nach und nach ihren Schulgeruch. Schade!
Der älteren Frau mit dem Rollator sind wir auch schon lange nicht mehr begegnet. Die freut sich immer so, wenn sie mich trifft und streichelt mich ganz arg. Ich weiß aber genau, wo sie wohnt: Im Haus neben dem Pflegeheim im ersten Stock. Da hat sie auch einen Balkon. Jeden Abend, wenn wir daran vorbeilaufen, bleibe ich stehen und schaue zum Balkon, aber da war sie auch nie. Da hab ich mir schon Sorgen gemacht. Aber vor einer Woche stand sie da, abends um 20 nach 7 und hat herunter gewunken. Ich hab raufgewedelt und vor Freude gebellt. Runtergekommen ist sie nicht, wegen der Ansteckung und bald wäre es hoffentlich wieder anders. Dann haben wir vereinbart, dass wir das jetzt jeden Abend um die Uhrzeit so machen: Sie winkt und ich wedele. Wir haben jetzt sozusagen ein Balkon-Rendezvous.
Wie lange ist bald, frage ich mich.
Manchmal warte ich darauf, dass wir in den Wald gehen und dann heißt es, bald geht's los. Dann lege ich mich noch mal hin und kaum liege ich, da bekomme ich schon Geschirr und Leine. Dann ist bald gar nicht so lange.
Oder wenn ich gerne wieder mit Hundefreunden spielen würde und es heißt, bald wieder, dann treffen wir im Wald ganz plötzlich auf einen netten Freund oder eine Freundin. Dann ist bald gar nicht so lange.
Oder wenn man auf den Geburtstag wartet und wartet und kann es kaum mehr aushalten und dann wacht man auf und er ist da. Dann ist bald gar nicht so lange.
Ich frag einfach mal die ältere Dame beim nächsten Balkon-Rendezvous. Die muss es doch wissen; die hat schon so viel erlebt.
Und eins verspreche ich euch: Wir sehen uns bald wieder!
Bis dahin lasst die Ohren im Wind flattern, haltet das Näschen in die Sonne und habt immer etwas Leckeres zwischen den Zähnen.

Viele Grüße
Euer Murphy